The Indelicates, Amp in Münster
Ein ständiges Diskussionsthema ist meine Weigerung, mit Musik von Bands anzuhören, die mir nicht sympathisch sind. Andere Menschen meinen, ich verpasse etwas, weil große Unsympathen auch große Künstler sein können, ich meine, dass es eh schon viel zu viel gute Musik gibt, also muss ich irgendwo anfangen auszusortieren.
Die Indelicates erschienen mir auf Bandfotos/Plattencovern eher unsympathisch zu sein. Eigentlich hatte ich die Band also schon abgehakt, stellte dann aber beim Rezensieren des Albums fest, dass es mir irgendwie doch gefällt. Liegt es daran, dass mich das Keyboard bei der Albumversion von “Our Daughters Will Never Be Free” irgendwie an Los Campesinos! erinnert? Wahrscheinlich. Manchmal bin ich schnell von etwas zu überzeugen…
Auf jeden Fall war der Wunsch da, meine Antipathie zu den Menschen in der Band schnellsten zu überwinden, und um meine erste Begegnung mit ihnen zu angenehm wie möglich zu gestalten, schwänzte ich das Konzert der Band in Köln, da dieses im Blue Shell stattfand, und der Club spätestens seit dem Get Cape. Wear Cape. Fly-Konzert sehr weit oben auf der Liste von Konzertveranstaltungsstätten (neudeutsch: Venues) steht, die ich nur noch im Ausnahmefall betreten werde. Stattdessen ging es an diesem vor einem Feiertag gelegenen Mittwoch in meinen Zweitlieblingsclub, das Amp in Münster.
Als das Konzert anfängt, ist die Erleichterung groß: Julia sieht zwar aus wie eine typische Engländerin (was nicht unbedingt ein Kompliment ist) und Simon passt auch nicht unbedingt in mein (tiny, skinny) Indieboy-Beuteschema1, aber ich mag die beiden sehr, und es macht großen Spaß, sie (und den Rest der Band) auf der Bühne zu beobachten. Eine weitere Überraschung ist rein musikalischer Natur: die Lieder werden deutlich härter gespielt als auf dem Album, und die fetten Rockgitarrenriffs üben (zumindest heute Abend) eine große Faszination auf mich aus. Vielleicht, weil da immer doch das Keyboard ist, um ein gewisses Gleichgewicht herzustellen. Genau so sollte Musik klingen…vielleicht bin ich etwas betrunken, aber ich bin mir da ziemlich sicher!
1Everything that follows is a footnote: Ja, es gibt Bands, deren Musik ich sehr schätze, und wo ich in keines der Bandmitglieder verliebt bin. Hierbei handelt es sich um eine!