Slut, Underground in Köln


Nachdem ich mir aus einer “och ja, Slut könnte man sich auch mal wieder anschauen”-Laune heraus eine Karte für dieses Konzert mitbringen lasse, folgt schon einmal der erste Schock: fast 20 Euro verlangen die fünf Ingolstädter mittlerweile dafür, dass man sie aus nächster Nähe auf der Bühne bewundern kann (für mein erstes Slutkonzert vor 7 Jahren habe ich weniger in DM bezahlt!). Der zweite Schock dann ein paar Tage später: es gibt tatsächlich eine Menge Leute, die bereit sind, dafür so viel Geld zu bezahlen. Das Konzert ist bereits im Vorfeld ausverkauft. Und dass, obwohl nur wenige Meter weiter in der Live Music Hall ein gewisser Herr Doherty angekündigt hat, dort eventuell nun wirklich einmal aufzutreten.

Die Vorband Stars Play Music verpasse ich, weil ich lieber zu Hause darauf warte, dass die Wirkung einer Kopfschmerztablette einsetzt, schließlich mache ich mich doch auf den Weg ins Underground, meinen ehemaligen Lieblingsclub, in dem seit der Übernahme durch die LMH-Betreiber nur noch wenige Male im Jahr überhaupt eine interessante Band spielt. Irgendwie hatte ich auf Grund des rauchfreien Konzert letzte Woche in Frankfurt geschlossen, dass die Zeiten, in denen ich unter stickiger Luft leiden muss nun endgültig vorbei sind, umso schlimmer ist es, als ich den bereits sehr vollen Raum betrete und mir ein Schwall verbrauchter und verqualmter Luft entgegenkommt. Eigentlich hatte ich mir vorher überlegt, dass ich mir die Band lieber von hinten an eine Wand gelehnt angucken will, aber die Umstände zwingen mich, mich in die erste Reihe vorzuarbeiten, wo ich nicht nur – im Gegensatz zum Rest des Raumes – eine Menge Platz habe, sondern auch ab und zu frische Luft von draußen hineinkommt. Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen, potentiell größeren, aber körperlich kleineren Slutfans die Sicht zu versperren, aber da sich niemand beschwert bleibe ich wo ich bin und zerbreche mir den Kopf darüber, warum ich eigentlich immer, egal wie unwichtig mir die Band ist, in den vorderen Reihen lande…

Per SMS wird mit mitgeteilt, dass Pete in der Live Music Hall tatsächlich schon auf der Bühne steht, während Slut noch etwas auf sich warten lassen. Zunächst einmal geht das Licht aus, eine monotone Musik vom Band setzt ein, und erst Minuten später kommen die mit Warnblinklichtern verzierten Musiker auf die Bühne. Es ist lange her, dass ich die Band das letzte Mal live gesehen habe (erst befürchte ich, dass es auf dem Immergut vor 4 ½ Jahren war, aber dann fällt mir ein, dass sie ja auch bei Rheinkultur vor 2 Jahren gespielt haben!), aber irgendwie habe ich das Gefühl, sie haben sich überhaupt nicht verändert. Sie sind nicht einmal älter geworden. Seltsam. (Carina sieht das anders, sie macht sich Sorgen über die Bühnenoutfits, was mir aber gar nicht weiter auffällt, da ja mittlerweile fast alle Bands recht schick mit Hemden bekleidet sind, Thomas meint nachher, dass sie noch besser aussehen würden als damals, was ich aber auch nicht unbedingt bestätigen kann).

Da es eines der ersten Konzerte dieser kurzen Tour ist, und natürlich einige Lieder vom neuen Album mit dem schrecklichen Titel “Still No 1″ gespielt werden, die bestimmt noch nicht oft vor Publikum zum Besten gegeben wurden, ist die erste Hälfte des Konzerts recht durchwachsen und auch die Band scheint sich durchaus bewusst zu sein, dass sie noch nicht perfekt eingespielt ist. Ein kurzes, aber verpatztes Akkordeonsolo wird mit “Ich kann das halt noch nicht so gut” kommentiert, bevor das Instrument schnell wieder in der Ecke verschwindet. Ansonsten gibt es neben den üblichen Gitarren, Bass, Schlagzeug auch drei Keyboards, ein Xylophon und eine aufwendige Videoanlage zu sehen, und mir gefallen die Lieder, wo das alles zum Einsatz kommt deutlich besser als die, wo gleich drei der Bandmitglieder Gitarre spielen (was für eine Verschwendung, wenn man so viele andere tolle Instrumente zur Verfügung hat!).

Mit richtig alten Liedern hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet, umso mehr freue ich mich über “Rocket”, und habe das Gefühl, dass das Konzert danach auch deutlich besser wird. Wahrscheinlich mussten sie sich wirklich erst mal ein bisschen warm spielen. Das einzige, was danach noch meine Freude trüben kann, sind zwei ziemlich betrunkene Mädchen neben mir, die so laut mitschreien, dass man es wohl im ganzen Club hören kann, und die die Lieder in meinen Ohren seltsam unharmonisch klingen lassen. Zum Glück kennen sie nicht alle neuen Lieder (von denen drei wirklich viel versprechend klingen), und können somit nicht alles ruinieren.

Das eigentliche Konzert dauert schon ziemlich lange (zumindest hat Pete in der Live Music Hall zu diesem Zeitpunkt schon wieder aufgegeben!), und der Zugabenteil lässt mit 6 oder 7 Liedern vermuten, dass die Band gar nicht mehr aufhören will zu spielen. Fast zwei Stunden lang formuliere ich im Kopf schon meinen “20 Euro bezahlt und dann kam nicht mal Cloudy Day”-Blogeintrag aus, und dann, als allerletzte Zugabe, kommt es doch noch…der Abend hat sich also, nicht nur wegen den Zugaben, doch gelohnt! Auch wenn ich das Gefühl nicht loswerde, dass Slut eine Band ist, die eher in meine Vergangenheit gehört, und die ich mir nicht mehr ständig angucken muss, war es doch mal wieder ein schöner Abend mit ihnen.

4 Antworten zu “Slut, Underground in Köln”

  1. Carina sagt:

    Aber Christina, Slut sollten kein Teil der Vergangenheit sein, im Gegenteil, die sind so lebendig wie nie zuvor!

    Und zur Verteidigung: Still No 1 = Still no one, klingt das besser in deinen Ohren?

  2. Carsten sagt:

    Hui, das zu lesen ist ja besser als selbst dabeigewesen zu sein!

  3. Christina sagt:

    Mist, den Wortwitz habe ich natürlich wieder nicht verstanden! Und die CD werde ich mir natürlich auf jeden Fall anhören :)

  4. Jeannette sagt:

    Wärst Du auch mal rechtzeitig da gewesen, Christina - Stars Play Music haben mir sehr gut gefallen, das ging wohl einigen so! Insgesamt ein stimmiger Indie-Abend mit fast 3 Stunden Spitzenmusik war das. Nur “Sensation” hat mir gefehlt…

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