Delbo / Klez.E, Bakuda in Dortmund
Unglaublich, dass es noch Zugstrecken zwischen Aachen und dem Ruhrgebiet gibt, die ich noch nicht in- und auswendig kenne (die ich, genauer gesagt, noch nie gefahren bin).
Statt in Düsseldorf umzusteigen bleibe ich heute von Anfang bis Ende im RE4 sitzen. Ich hätte nicht gedacht, dass Wuppertal so lang ist. Der Zug hält gefühlte 10 Mal dort, bevor es über Hagen und Witten nach Dortmund geht. Ich nehme mir fest vor, beim nächsten Mal wieder auf die gute alte Duisburg-Essen-Bochum-Strecke zurückzukommen.
Die Fahrt durch Wuppertal hat mich ziemlich geschlaucht (oder liegt es daran, dass ich mal wieder mitten in der Woche nach der Arbeit (und mit dem Hintergedanken, dort am nächsten Morgen um 9 Uhr auch wieder sein zu müssen) stundenlang unterwegs bin um eine Band zu sehen?), auf jeden Fall bin ich sehr müde, als ich in Dortmund ankomme.
Von dem Lärm am Dortmunder Hbf werde ich aber schlagartig wieder hellwach: Der Zugang zur Innenstadt ist von einem überdimensionalen Nachbau der Südtribüne des Dortmunder Stadions versperrt. Und dort wird bis spät in die Nach Stadionatmosphäre (in dreifacher Originallautstärke) simuliert…Fangesänge, Blitzlichtgewitter, You’ll Never Walk Alone. Da muss man also durch, wenn man nach Dortmund rein will. Weil wir in der Stadt noch was essen wollen bleibt und nichts anderes übrig.
In das Lokal will ich vor allem aus nostalgisch-romantischen Gründen (erstes Date mit Thomas), erst als wir dort sitzen wird mir auf einmal klar, dass das Cafe Max irgendwie mit dem Bakuda zusammenhängt und dass das nicht gut gehen kann. Und natürlich, wir haben gerade unser Essen bestellt, da betreten auch schon sämtliche Herren, wegen denen wir heute Abend in Dortmund sind den Raum und setzen sich, wie kann es anders sein, genau neben uns.
Gina fällt natürlich gleich auf, dass uns so was in letzter Zeit ja öfters passiert, neulich also essen mit den Futureheads, jetzt mit Klez.E und Delbo, so richtig daran gewöhnt habe ich mich aber noch nicht, zumindest erscheint mir mein Salatteller sehr riesig und ich hoffe, dass niemand meine und Ginas üblichen Männer-in-Bands-Gespräche mitkriegt…wobei sie im Laufe des Essens passend zusammenfasst, dass wir ja davon leben zu starren und zu schmachten. Ähm, ja.
Irgendwann nach 9 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Bakuda (ich werde auch immer gelassener, schließlich stand irgendwo was von 8 Uhr Einlass, 9 Uhr Beginn). Der Türsteher meint zu Andrea, die für einen Moment ausnahmsweise nicht lacht, er würde sie nur reinlassen, wenn sie gute Laune hätte…woraufhin sie ihm bestätigt dass sie gute Laune hat. Er fragt uns dann was wir denn machen würden wenn die Bands gar nicht spielen, und Andrea entgegnet, dass das gar nicht sein könnte, wir hätten sie ja schon gesehen. Daraufhin dürfen wir dann doch rein, für sensationelle 6 Euro!!!
Das Bakuda (in dem ich vorher noch nie war) ist mir gleich sympathisch und zum Glück zum Glück zum Glück sind wir nicht die einzigen Besucher. Der Konzertbeginn verzögert sich dann aber doch noch soweit, dass es für Gina (die spätestens den Zug um 23.45 nehmen muss) knapp wird.
Obwohl Klez.E zuerst spielen, ist es doch schön wenn eine Vorband keine Vorband im eigentlichen Sinne ist. Irgendwie hatte ich sie in den letzten Monaten ganz vergessen, aber während des Auftritts erinnere ich mich schnell wieder daran, dass mir diese Band auch mal (wenn auch nur für ein paar Wochen) wichtig war. Lustig ist es auch, sich umzusehen und in die leicht verstörten Gesichter des Publikums zu gucken. Zum Glück gilt das nicht für die Leute, die ich überredet habe mitzukommen: Thomas applaudiert sogar nach jeden Stück, und das trotz Bierflasche in der Hand, Andrea ist sehr überrascht, dass ihr Klez.E seit dem Immergut jetzt doch gefallen (muss wohl am Festival liegen) und Gina erwähnt nachher, dass sie auch die Texte sehr rührend fand. Da ich mich ja immer sehr verantwortlich fühle, wenn ich Leute auf ein Konzert mitschleppe bin ich schon mal erleichtert, dass niemand umsonst hier war :-)
Und dann (ist das wirklich schon 10 1/2 Monate her?) mein erstes Delbokonzert nach viel zu langer Zeit. Das letzte war übrigens auch in Dortmund, allerdings im Cosmotopia, und ich habe es mehr oder weniger verschlafen weil es freitags und spät in der Nacht war, ich war also mehr körperlich anwesend. Muss aber wohl nicht so gut gewesen sein (laut Band).
Als Gina um 20 nach 11 leider schon gehen muss um ihren Zug zu kriegen bin ich sooo erleichtert, dass Andrea hier ist und mich mit dem Auto mitnehmen kann, sonst hätte ich jetzt auch gehen müssen. Aber ich hätte wohl lieber am Bahnhof übernachtet (oder nachts den IC genommen) als auch nur eine Sekunde hiervon zu verpassen. Was für Glücksgefühle es auslöst die Menschen, denen man am liebsten zusieht dabei zu sehen, wie sie die Musik spielen, die man am liebsten hört lässt sich eigentlich gar nicht in Worte fassen. Es folgt dann noch die Bemerkung, dass sie ja jetzt das, was beim letzten Mal in Dortmund passiert ist wieder gutgemacht hätten, und der Hinweis auf das Konzert am nächsten Mittwoch in Köln (falls es keine Städtefeindschaft zwischen Köln und Dortmund gibt). Da wollte ich natürlich sowieso hin, aber jetzt muss es mir ja nicht mehr unangenehm sein, dass ich mir eine Band mal wieder so oft in kurzer Zeit angucke. Mit Rücksicht auf die arbeitende Bevölkerung (vielen Dank!) ist der Abend um kurz vor 12 dann doch viel zu schnell vorbei.
Wobei das mit dem arbeiten am nächsten Tag doch nicht so ganz klappt, genauso wenig wie mit der Nahrungsausnahme und dem Schlaf, müde und glücklich vergehen die 8 Stunden fast von alleine ohne das ich etwas mache.
Nur leider kann ich mich am folgenden Abend nicht dazu aufraffen, zu den Suburban Kids With Biblical Names nach Düsseldorf zu fahren….